11. Mai 2000

 
Mit Aufklebern gegen Vorurteile kämpfen

Die Aktion Noteingang mit Ursprung in Bernau erhält Aachener Friedenspreis

tos Bernau - Der Aachener Friedenspreis ist bereits die zweite etablierte Auszeichnung für die Aktion Noteingang. Die Initiative gegen Rechtsextremismus ist mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat ihren Ursprung in Bernau. Zu dem Preis der Heinrich - Böll - Stiftung vom vergangenen Jahr wird sich vom 1. September an die Ehrung durch den Aachener Verein gesellen.

«Die Handlungsmöglichkeiten beim Umgang mit Rechtsextremismus sind begrenzt. Wir wollten etwas Neues probieren», sagt Noteingangs - Gründungsmitglied Knut Steinkopf aus Strausberg und erklärt das Vorgehen: «Jugendliche haben Fragebögen und Aufkleber verteilt. Die Aufkleber wurden an öffentlich zugänglichen Türen angebracht und zeigen, dass bedrohte Ausländer hier Schutz finden.» Damit könne auch ein gesellschaftliches Meinungsbild erzeugt werden.

Das sei vor allem deshalb wichtig, weil rassistisch motivierte Übergriffe heutzutage an allen Orten und zu jeder Zeit stattfänden. Durch die Aktion könnten die rassistischen Vorurteile, die in der Gesellschaft existierten, gezielt bekämpft werden. Die angesprochenen Leute sind zu einer Positionierung gezwungen. Leider hätten nur etwas mehr als 200 der etwa 1000 in Brandenburg Angesprochenen Zivilcourage in Form des Aufklebers gezeigt. Dieser war vor etwa einem Jahr auch auf Ablehnung gestoßen. Vor allem die Angst vor rassistisch motivierten Übergriffen und Sachbeschädigungen hatte einige Ladenbesitzer von der Beteiligung abgehalten.

Andere lehnten auch mit dem Argument, dass sie Hilfebedürftigen sowieso Schutz bieten würden, ab. Das sei aber nur ein Anzeichen für die konkrete Angst in der Gesellschaft und Indikator, dass endlich etwas geschehen müsse. «Wir haben gezeigt, dass man etwas gegen das Problem tun kann», sagt Steinkopf.

«Die Freude über die Auszeichnung ist groß. Sie bringt Anerkennung und Unterstützung und das ist bitter nötig», so Steinkopf. Mit der Aachener Auszeichnung werden Menschen und Organisationen geehrt, die «von unten» zu Frieden und Verständigung beitragen.

Über die Noteingangsaktion in Erfurt führte die Spur für die Aachener Preisverleiher zu den Initiatoren aus Bernau. «Bei uns ist die Aktion erst einmal vorbei. Die Aktionsform kann aber überall angewendet werden», sagt Steinkopf zur Zukunft der Noteingänge. In Leipzig sei so eine Aktion geplant. Das antirassistische Netzwerk, welches durch die Aktion Noteingang entstanden ist, solle man weiter unterstützt werden. Dazu könne das Preisgeld in Höhe von 2000 Mark verwendet werden.

 

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